Unser neues Auto: Das grüne Monster (1)

Schwarzer oder weißer Rolls-Royce?
Schwarzer oder weißer Rolls-Royce?

Der Begriff „MSC“ („most significant change“) beschreibt die wichtigste Veränderungen in einer Gruppe, die über einen bestimmten Zeitpunkt als die gravierendste empfunden wurde. Bei unseren Kindern gibt es mit dem Kauf unseres neuen Autos einen „most scary change“ (die furchtsamste Veränderung), die ihnen für immer in Gedächtnis bleiben wird.

 

Als ich mit dem grünen Monstrum auf den Hof fuhr, haben beide lautstark geschrien und geheult. Es hat uns viel Zeit und pädagogisches Geschick abverlangt, sie wenigstens Tage später mal zum probesitzen in den Wagen zu bekommen. Aber der Reihe nach:

Der Verkehr

Man hat es ja schon hunderte Mal im Fernsehen gesehen: Der wuselige Stadtverkehr in asiatischen Metropolen ist eine besondere Herausforderung. Ampeln werden ignoriert, Moped fahren immer und überall in alle Richtungen gleichzeitig, Schrottkarren und rasende SUVs bei denen der Fahrer das Bremsen mit Gesichtsverlust gleichsetzt. Alles schon bekannt. Ich habe meine aller erste Fahrstunde in Los Angeles auf einer Autobahn mit 6 Spuren absolviert. Ich dachte also, so schlimm wird es schon nicht werden.

 

Weit gefehlt! Es ist viel schlimmer als in meiner kühnsten Vorstellung. Viel wilder und gefährlicher als ich es mir je hätte träumen lassen. Nach den ersten Tagen der Anfangseuphorie habe ich wochenlang meine Zeit im TukTuk damit verbracht um mein Leben zu fürchten. Als Fußgänger ist es eher schlimmer als besser. Unvergessen der Tag im zweiten Monat, wo Rita von einem umfallenden Baum um Haaresbreite erschlagen wäre. Am Ende des Jahres war ich mir sicher, hier in Kambodscha niemals selbst fahren zu können.

 

Mit Zeit jedoch, ändert sich die Wahrnehmung. Es ist immer noch super gefährlich und wirklich unangenehm, aber was will man machen? Wenn man nicht ewig auf die Tuktuks angewiesen sein will und auch mal am Wochenende raus aus der Stadt kommen möchte, dann braucht man ein Fahrzeug.

Der Pkw-Markt

Autos sind sehr teuer in Kambodscha. Neuwagen stehen sowieso nicht zur Diskussion, weil man noch 100 % Import-Steuer obendrauf zahlen muss. Gebrauchte rangieren ebenfalls zu fürstlichen Preisen. Ein 15 Jahre alter Geländewagen wird man hier für nicht weniger als 10.000 Dollar bekommen.

 

Doch soviel wollten wir gar nicht ausgeben, denn zu groß ist die Gefahr, dass man nur eine aufgehübschte Gurke bekommt. Viele Werkstätten und Autohöfe stehen hier im Ruf gerade ihre ausländische Kundschaft gnadenlos zu übervorteilen. Man sieht mit bloßem Augen den Wagen nicht an, wenn sie aus vielzähligen Unfallwagen zusammengeschraubt, modelliert und über lackiert wurden. Für eine genauere Prüfung habe ich weder das Fachwissen noch die Geduld.

Papiere, bitte

Erfreulich ist auf der anderen Seite, dass alle offiziellen Schritte dafür wegfallen. Unser Auto ist weder registriert, noch versichert, noch ist die Straßensteuer bezahlt, aber es gibt nichts, was sich in einer Polizeikontrolle nicht mit 5.000 Riel, also 1,25 Dollar, lösen lässt.

 

Unser Nummernschild ist vom Vorbesitzer selbst gemalt. Viele kaufen hier extra Wagen mit Militär- (rot/blau), NGO (hellblau) oder Botschaftsnummernschilder (gelb), diese Wagen werden dann gar nicht erst angehalten.

 

Wir sind wahrscheinlich schon alleine deshalb noch nicht angehalten worden, weil der Wagen ja wie gesagt so laut ist, das die meisten Menschen erst einmal instinktiv zurückschrecken.

Der zweite Teil, mit der Auflösung, was genau wir nun erworben haben, kommt am nächsten Montag.

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Kommentare: 3
  • #1

    Ursula (Mittwoch, 02 Juli 2014 23:41)

    Da bin ich aber sehr gespannt! Warum erst am Montag und nicht am Freitag?

  • #2

    Monika (Donnerstag, 03 Juli 2014 11:37)

    Hört sich nach altem, grünem, bemalten Überlandbus an. Auf dem Dach festgezurrte Koffer und auf den Trittbrettern stehen die Kinder u. Rita um Kühlung zu haben. Gute Fahrt!!

  • #3

    Kilian (Freitag, 04 Juli 2014 15:01)

    Hi hi ... Ich sag jetzt nichts. Bin schon ganz gespannt auf Montag!